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Jungsteinzeit Seeland

Site néolithique du domaine von Rütte à Sutz

Beim von Rütte-Gut in Sutz befindet sich die Aussenstelle des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern mit der Unterwasserarchäologie und Dendrochronologie. Hier liegt auch die jungsteinzeitliche Unesco-Welterbe-Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte. 

Die Fundstelle liegt im Uferbereich des Bielersees vor dem von Rütte-Gut. Seit 2020 wird sie mit baulichen Massnahmen vor weiterer Erosion geschützt. Am Ostrand der Fundstelle befindet sich auf einer Plattform im See die Tauchbasis des Archäologischen Dienstes. Sie ist über einen Holzsteg öffentlich zugänglich und bietet Sicht auf die Fundstelle. Eine Ausstellungsvitrine informiert vor Ort über die «Pfahlbauten» in Sutz-Lattrigen und am Bielersee sowie über das Welterbe. 

Vorgehen

Vorbereitung Schülerinnen und Schüler 

Die Schülerinnen und Schüler sollen der Fundstelle unvoreingenommen begegnen und ähnlich den Archäologinnen und Archäologen den «Forschungsweg» gehen können. Es genügt, die Lernenden zu informieren, dass ein archäologischer Lernort besichtigt wird. Dabei kann das Begriffspaar «archäologische Fundstelle» und «Archäologischer Lernort» folgendermassen erklärt werden: Eine archäologische Fundstelle ist ein Ort, wo Spuren des Menschen aus früheren Zeiten entdeckt worden sind. Der Ort (Fundort oder Fundstelle) ist von Archäologinnen und Archäologen untersucht. Bei der Ausgrabung tragen sie Schicht für Schicht Erde ab und dokumentieren (zeichnen, fotografieren, beschreiben), was sie dabei beobachten. Sie analysieren und vergleichen die Fundsituationen im Boden und die aufgesammelten Fundstücke (z. B. Gebäudereste, Gegenstände) mit denen anderer Fundstellen und deuten die Resultate (Auswertung). Ein Ziel ist es, damit das (tägliche) Leben der früheren Menschen zu rekonstruieren. Werden diese Ergebnisse didaktisch für Schulklassen aufbereitet, wird aus der archäologischen Fundstelle ein Archäologischer Lernort. 

Vorbereitung Lehrperson 

Die Exkursion eignet sich besonders als Einstieg (Konfrontation) in das Arbeiten im Kompetenzbereich NMG 9 des Lehrplans 21 «Zeit, Dauer und Wandel verstehen – Geschichte und Geschichten unterscheiden» oder als Input während der Bearbeitung dieses Themas in der Schule. Eine Nachbearbeitung (Synthese, Transfer) im Unterricht wird empfohlen (vgl. weiterführend).  

Der Forschungsweg kann von den Schülerinnen und Schüler am besten nachvollzogen werden, wenn eine bestimmte Reihenfolge beachtet wird: Zuerst sollten die Lernenden die Fundstelle in der Landschaft möglichst selbst entdecken können und danach als jungsteinzeitliche Dorfruine deuten. Vorher sollte die Lehrperson die Begriffe «Pfahlfeld», «Fundstelle» und «jungsteinzeitliche Dorfruine» noch nicht einführen und verwenden. Auch sollte die Tauchplattform mit den Ausstellungsvitrinen von den Lernenden frühestens bei Gruppenarbeit 2 betreten werden, da die Informationen dort die selbständige Erkenntnis verunmöglichen könnten. 

Aus praktischen Gründen ist es sinnvoll, für die Schülerinnen und Schüler als Ergänzung zu den bereitgestellten Arbeitsblättern (vgl. Download) ein Forschungsheft zusammenzustellen. So können die Lernenden ihre Beobachtungen, Zeichnungen und Gedanken während der Exkursion festhalten und in der Schule weiterverarbeiten.  

Der Strandpark bietet Platz zum vertieften Arbeiten und Pause machen. Es stehen WC-Anlagen und für einen Mittagsrast Feuerstellen (mit Brennholz) zur Verfügung. Bitte die Einrichtungen wieder sauber verlassen und Abfälle entsprechend entsorgen. 

Die Natur- und Grünflächen in der Umgebung sowie die Infrastruktur sind mit der gebotenen Sorgfalt zu behandeln. Die Schülerinnen und Schüler sollten durch die Lehrperson auf die mit einem Gewässer verbundenen Gefahren hingewiesen werden. Besonders gefährlich sind das Klettern auf das Geländer der Tauchplattform, das Betreten der Schilfgürtel im Uferbereich und die Rutschgefahr auf Felsbrocken am Ufer. 

Weg Bahnhof Sutz– Strandpark 
von Rütte-Gut: Dauer: 10 min  Bearbeitung Fragen, Aufträge und Lernaktivitäten, Input  Dauer: 30 min  Ort: Strandpark 
von Rütte-Gut 
Material: Karte und Luftbilder (Download
Die Schülerinnen und Schüler verschaffen sich einen Überblick über die Landschaft und die naturräumliche Situation. Die Lernenden äussern Vermutungen zur Geschichte des Siedlungsraumes und suchen dazu Spuren im Gelände. Die Lernenden erhalten von der Lehrperson einen Input zu den Veränderungen der Landschaft durch die Juragewässerkorrektion. Bevor die Schülerinnen und Schüler mit ihren Erkundungen beginnen, sollte auf die mit einem Gewässer verbundenen Gefahren und auf einen achtsamen Umgang mit der Parkanlage hingewiesen werden. Nach der Bearbeitung der Aufträge 1 bis 3 erfolgt im Plenum ein kurzer Austausch zu den Beobachtungen und den Überlegungen der Lernenden. Wahrscheinlich sind die Schülerinnen und Schüler enttäuscht, dass auf den ersten Blick nichts auf die Menschen hindeutet, welche hier vor 5000 Jahren gelebt haben. Einige werden darauf kommen, dass über die Spuren der früheren Menschen mit der Zeit «Gras» gewachsen ist und sich diese im Boden befinden. Kinder aus der Region haben vielleicht schon von den Pfahlbauern und der Juragewässerkorrektion (Seeabsenkung) gehört und wissen, dass Spuren im See gefunden worden sind und unter Wasser durch Tauchuntersuchungen freigelegt werden. Falls die Lernenden nicht über dieses Wissen verfügen, muss die Lehrperson an dieser Stelle nicht darauf eingehen, sondern kann darauf hindeuten, dass diese Frage im Laufe der gemeinsamen Erforschung des Lernorts geklärt werden soll. 

Fragen und Vermutungen

Wo befinden wir uns? Was hören und sehen wir? Was ist euch auf dem Weg vom Bahnhof bis zum See aufgefallen? Wie ist dieser Ort in der Landschaft eingebettet? Könnt ihr euch vorstellen, wie diese Landschaft vor 5000 Jahren ausgesehen haben könnte? Lebten damals schon Menschen hier? Sind Spuren von ihnen im Gelände erkennbar? 

Aufträge und Lernaktivitäten

  1. Bevor ihr mit dem Erkunden beginnt, schaut zusammen auf der Landkarte nach, wo ihr seid, und sucht auf der Karte die eingezeichnete Fundstelle. Könnt ihr feststellen, wo ihr euch jetzt genau befindet? 
  2. Betrachtet das Flugbild und vergleicht es mit dem Kartenausschnitt: Was ist dabei hilfreicher für euch?  
  3. Besprecht mit Hilfe der Karte und des Luftbildes die Fragen (vergleiche oben) und notiert euch Stichworte dazu. 
  4. Sucht während der Exkursion immer wieder geeignete Fotostandorte. 

Wo befinden wir uns? Was hören und sehen wir? Was ist euch auf dem Weg vom Bahnhof bis zum See aufgefallen? Wie ist dieser Ort in der Landschaft eingebettet? Könnt ihr euch vorstellen, wie diese Landschaft vor 5000 Jahren ausgesehen haben könnte? Lebten damals schon Menschen hier? Sind Spuren von ihnen im Gelände erkennbar? 

Zusammenfassung für die Lehrperson 

Das von Rütte-Gut war ein Land- und Rebgut der Berner Patrizierfamilie von Rütte – darum von Rütte-Gut (Luftbild von Rütte-Gut). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Landgut umfassend umgestaltet, indem der Gutshof in der Art eines herrschaftlichen Landsitzes umgebaut und ein Landschaftspark angelegt wurde. Heute gehört das Landgut einer Stiftung. Die Räumlichkeiten und Teile des Parks können für Feste (zum Beispiel Hochzeiten) gemietet werden. In anderen Teilen des von Rütte-Guts befindet sich die Aussenstelle des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern.

Luftaufnahme des von Rütte-Guts heute, Blick vom Land in Richtung Bielersee. © Stiftung von Rütte-Gut, Foto: Carlos Pinto. 

Auf der anderen Seite des Sees, am Nordufer, sind Dörfer und Rebberge und oberhalb bewaldete Jurahöhen zu sehen. Das Nordufer des Bielersees mit dem schmalen Strandstreifen erhebt sich deutlich steiler als das Südufer. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Strandpark fällt das zum See hin abfallende Gelände auf. Der Bahnhof und das Dorf Sutz liegen auf der Anhöhe rund 20 Meter höher als der Strandpark, der ursprüngliche Dorfkern und die Kirche mit 16 Höhenmetern Differenz zum Ufer an der Hangkante.  

Vor 5000 Jahren existierte kein einziges der heute sichtbaren Gebäude. Bereits vorhanden war der See. Er prägt die Landschaft und spielte über Jahrtausende eine zentrale Rolle für die hier ansässigen Menschen. 

Der Bielersee ist nebst dem Murtensee und dem Neuenburgersee einer der drei grossen Jurarandseen der Schweiz. Heute mündet bei Hagneck die Aare (Hagneckkanal) und zwischen Le Landeron und Erlach die Zihl (Zihlkanal) in den See. Bei Biel fliesst die Zihl durch den Nidau-Bürenkanal aus dem See. 

Auch wenn heute auf den ersten Blick nichts darauf hindeutet, lebten bereits vor 5000 Jahren Menschen hier am See. Der Lernort Sutz zeigt, wo und wie sie lebten und warum man heute so viel über sie weiss. 

Input Lehrperson: Die Juragewässerkorrektionen  

Begeben wir uns auf eine Zeitreise und drehen das Rad der Zeit um 170 Jahre zurück. 

Die Seespiegel der drei Jurarandseen waren damals höher. Auf alten Karten kann man das leicht am Beispiel des Bielersees und der St. Petersinsel erkennen. Sie war damals noch eine Insel und nicht wie heute über einen schmalen Landstreifen von Erlach aus zugänglich. 

Aus dieser Zeit gibt es zahlreiche Berichte von Augenzeugen, die von wiederkehrenden Verwüstungen durch Hochwasser der Jurarandseen und der Versumpfung der Landstriche zwischen den Seen berichten. Immer wieder führten sie zu Verlust von Hab und Gut, von Land und Ernten und zu Tod und grosser Not. Die Leute waren arm und viele krank. Es grassierte sogar Malaria. Diese von Mücken übertragene Krankheit konnte tödlich enden. Berichten zufolge, schwirrten die Mücken in grossen Schwärmen über den Sümpfen, wo sie auch ihre Brutstätten hatten. 

Um diesen Missständen und den schwankenden Seespiegeln entgegenzuwirken, wurde von 1886 bis 1891 eines der grössten Projekte im Kanton Bern umgesetzt: die erste Juragewässerkorrektion. 

Vor den Juragewässerkorrektionen floss die Aare von Aarberg Richtung Nordosten, also am Bielersee vorbei. Bei Hochwasser verliess sie jeweils das Flussbett und überschwemmte die Region. Mit der ersten Juragewässerkorrektion wurde die Aare in den Bielersee umgeleitet, die Broye und die Zihl kanalisiert und der Nidau-Büren-Kanal angelegt. Durch diese Massnahme sanken die Seespiegel der drei Jurarandseen um 2,5 Meter. 

Grundsätzlich war die erste Juragewässerkorrektion ein Erfolg. Doch das entwässerte Land sackte in sich zusammen und es kam durch diese Absenkung des Bodens zu neuen Überschwemmungen. Bei länger anhaltendem trockenem Wetter sank der Wasserstand der Jurarandseen zudem tiefer ab als erwünscht. Eine zweite Juragewässerkorrektion wurde nötig (1939 und 1962–1973). 

Bearbeitung Fragen, Aufträge und Lernaktivitäten  Dauer: 60 min  Ort: Strandpark 
von Rütte Gut und Tauchplattform 
Material: Arbeitsblätter 1–3 Gruppenarbeit 1: Doppelmeter Gruppenarbeit 2: Feldstecher 
Die Lernenden suchen mit Hilfe eines Plans nach Spuren der Juragewässerkorrektion  Die Schülerinnen und Schüler bestimmen, um wie viele Meter sich das Ufer durch die Seeabsenkung verschoben hat (Gruppenarbeit 1). Die Lernenden überlegen sich, was nach der Seeabsenkung auf dem trocken gelegten Streifen Seegrund entdeckt worden sein könnte und suchen im Gelände nach Spuren (Gruppenarbeit 2). Je nach Selbständigkeit, Lesekompetenz und Vertrautheit mit Karten und Plänen der Lernenden kann die Lehrperson die Arbeiten anleiten und unterstützen. Nach der Bearbeitung der Aufträge 1 bis 4 (Arbeitsblatt 1) sollen in einer kurzen Plenumsrunde die Lösungen besprochen werden, so dass die Schülerinnen und Schüler den Uferstand vor der Juragewässerkorrektion im Gelände kennen. Er ist anhand der leichten Erhebung mit Bäumen und Sträuchern im Gelände auf der Höhe des Pavillon chinois zu erkennen. Unter dem Bewuchs ist die ehemalige Ufermauer verborgen (siehe Lösungen Arbeitsblatt 1, Luftbild). Die Kreise auf dem Situationsplan symbolisieren die beiden Fundstellen aus der Jungsteinzeit. An dieser Stelle sollte noch nicht verraten werden, dass hier nach der Seeabsenkung Pfahlfelder zum Vorschein gekommen sind. Gruppenarbeit 1 zeigt auf, um wie viele Meter sich das Ufer durch die Seeabsenkung der Juragewässerkorrektion verschoben hat. Dazu überlegen sich die Lernenden Möglichkeiten zur Bestimmung der Distanz zwischen dem Uferstand vor der Juragewässerkorrektion und heute und testen eine angegebene Methode. Gruppenarbeit 2 hat die Entdeckungen nach der Seeabsenkung im Fokus. Die Lernenden überlegen sich, was nach der Seeabsenkung auf dem trocken gelegten Streifen Seegrund entdeckt worden sein könnte und suchen im Gelände nach Spuren. Die Gruppenarbeit 1 ist anspruchsvoller als die Gruppenarbeit 2. Die Lehrperson kann die Lernenden entsprechend bei der Gruppeneinteilung beraten. Die Platzverhältnisse sind beim Bootsscherm und beim Pavillon chinois beschränkt. Nach den Gruppenarbeiten können die Fragen in einem Klassengespräch besprochen oder durch einen Input der Lehrperson zusammengefasst werden. Als Abschluss eignet sich zur Klärung der letzten Frage «Wer hat hier bei welcher Gelegenheit was entdeckt?» Film 1 «Einzigartige Geschichtsquellen» auf der Tauchplattform bei den Vitrinen. 

Fragen und Vermutungen

Wie hat sich die Landschaft in den letzten 5000 Jahren hier verändert? Welche Rolle spielte dabei der See? Wie hat sich der Mensch dem See angepasst oder dem See getrotzt? Wie wirkte der See auf die Siedlungstätigkeit der Menschen ein? Wie können wir das herausfinden? Wer hat hier bei welcher Gelegenheit was entdeckt?

Aufträge und Lernaktivitäten

Nach Veränderungen durch die Juragewässerkorrektion am Ufer suchen 

Standort: Strandpark 

  1. Studiere den Plan und die Legende und färbe die Objekte im Plan mit den auf Arbeitsblatt 1 angegebenen Farben an. 
  2. Vergleicht eure Einträge mit den Lösungen.  
  3. Sucht die Wasserstandlinie und die Ufermauer vor der Seeabsenkung mit Hilfe des Plans im Gelände.  
  4. Was könnte auf dem Situationsplan mit den Kreisen eingezeichnet sein?  

Schreibt eure Vermutungen auf. 

Gruppenarbeit 1: Veränderungen durch die Juragewässerkorrektion im Gelände nachvollziehen 

Standort: Strandpark: Bootsscherm / Pavillon chinois  

5. Überlegt euch, wie ihr die Distanz von eurem Standort beim Bootsscherm bis zur Mauer des Pavillon chinois ohne ein Massband bestimmen könnt.

6. Da je nach Jahreszeit die Wiesen auf dem von Rütte-Gut nicht gemäht oder nass sind, kann die Distanz nicht immer mit Klappmeter oder Meterschritten (1 grosser Schritt = 1 Meter) gemessen werden. Studiert darum die Anleitung zum Daumensprung und versucht es mit dieser Methode. 

7. Tragt euer Resultat im Plan und im Luftbild ein. 

8. Vergleicht euer Resultat mit dem Lösungsblatt. 

Gruppenarbeit 2: Die Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte  

Standort: Tauchplattform 

9. Überlegt, was nach der Seeabsenkung auf dem trocken gelegten Seegrund entdeckt worden ist. 

10. Vergleicht die im Plan eingetragenen Fundstellen (Kreise) mit eurem Standort.  

11. Sucht mit dem Feldstecher das Wasser vor der Fundstelle beim Auenwald ab (Kreis rechts auf dem Plan). Entdeckt ihr etwas? 

12. Sucht in den Vitrinen das Bild, welches 1874 nach der ersten Juragewässerkorrektion in der Bucht von Sutz-Lattrigen aufgenommen worden ist. 

13. Was zeigt das Bild? 

14. Vergleicht eure Vermutungen mit den Lösungen. 

Wie hat sich die Landschaft in den letzten 5000 Jahren hier verändert? Welche Rolle spielte dabei der See? Wie hat sich der Mensch dem See angepasst oder dem See getrotzt? Wie wirkte der See auf die Siedlungstätigkeit der Menschen ein? Wie können wir das herausfinden? Wer hat hier bei welcher Gelegenheit was entdeckt? 

Zusammenfassung für die Lehrperson 

Mit alten Karten können bloss die Veränderungen des Sees und der Uferlandschaft während den letzten rund 160 Jahren analysiert werden. Da es an den Jurarandseen immer wieder zu grossen Überschwemmungen kam, bemühten sich die Menschen mit grossem Aufwand um die Absenkung der Jurarandseen und die Entwässerung der Landstreifen zwischen den Seen. Mit der Juragewässerkorrektion trotzten die Menschen dem See und seinen Seespiegelschwankungen. Vorher mussten die Menschen nach einem Hochwasser ihre Dörfer wieder neu errichten oder neue Siedlungsstandorte suchen.  

Wenn sich Forschende mit den Siedlungstätigkeiten der Menschen am Bielersee beschäftigen, gehen sie ähnlich vor, wie die Klasse:  

  • Karten (und andere Informationen) vergleichen und die Veränderungen des Sees und der Ufer studieren, 
  • sich im Gelände durch Messungen einen Überblick verschaffen oder Angaben durch Messen überprüfen, 
  • mit Hilfe von Karten (und anderen Informationen) im Gelände nach (archäologischen) Spuren suchen. 

Die letzte Frage klärt der Film 1 «Einzigartige Geschichtsquellen» (auf der Tauchplattform bei den Vitrinen). 

Bearbeitung Fragen, Aufträge und Lernaktivitäten  Dauer: 45 min  Gruppenarbeiten zu Expertenthemen: 20 min  Auswertung: Expertenrunde: 25 min  Ort: Tauchplattform mit Vitrinen und Stele Material: Abbildungen «Einflussfaktoren», «Referenzkurve», «Pfahlplan», «Lattrigen, Hauptstrasse 57», «Luftbild 1947», «Luftbild 2014», «Wellen Westwind», «Wellenbrecher» und «Kies Aufschüttung» (Download) Arbeitsblätter 4–7 
Die Schülerinnen und Schüler versuchen verschiedene Aspekte der Fundstelle zu deuten: Techniken und Methoden der Forschenden heute, Altersbestimmung (Datierung) der Fundstelle mittels Dendrochronologie, Bedeutung der Erkenntnisse der Forschenden in Bezug auf das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge, Schmuck,…), Informationen zu Siedlungsunterbrüchen, Begründung und Ziele für heutige Untersuchungen. Damit das Zeitmanagement von 20 Minuten Bearbeitungszeit der Expertenthemen eingehalten werden kann, sollte die Lehrperson die Reihenfolge der Gruppen fürs Filmschauen klar festlegen. Es steht nur ein Filmmonitor zur Verfügung. Damit die Gruppe, welche sich den Film anschaut, alles versteht, sollten die übrigen Schülerinnen und Schülern beim Studium der Vitrinen möglichst still arbeiten. Generell empfiehlt es sich aufgrund der Platzverhältnisse das Sichten der Vitrinen zu steuern. Bei starker Sonneneinstrahlung reflektiert das Licht auf dem Filmmonitor, die Filme können auch als Nachbearbeitung in der Schule eingesetzt werden (vgl. Weiterführung/Filme). Die Fragestellungen und Informationen der Expertenthemen unterscheiden sich in ihrem Schwierigkeitsgrad. Jede Gruppe fasst ihre Erkenntnisse zum Expertenthema im Anschluss an die Bearbeitung der Frage(n) während der Auswertung (Klassengespräch) kurz zusammen (maximal 3 Minuten). Die Lehrperson ergänzt, wenn nötig. Dafür stehen neun aussagekräftige Abbildungen zur Verfügung (siehe Fragen und Zusammenfassung für die Lehrperson). 
Expertenthema (Schwierigkeitsgrad) Thema Vitrine Frage/Fragen Film/Zusatzinformationen Film-dauer 
Expertenthema 1 (Arbeitsblatt 4; mässig schwierig) Eine vielseitige Aufgabe Wie untersuchen die Forschenden die Fundstelle heute? Welche Techniken und Methoden kommen dabei zum Einsatz? Wie bestimmen sie das Alter der Fundstelle? Film 4: «Unterwasser-archäologie» (Sprache: Mundart)  6:25 min.  
Expertenthema 2 (Arbeitsblatt 5; leicht) Ein einzigartiges Erbe Was verraten die Erkenntnisse der Forschenden über das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge, Schmuck…)? Film 2: «Eine Zeitreise» Informationsstelle: Eine Fundstelle des Unesco ­Welterbes «Pfahlbauten»  Die Dörfer von Sutz-Rütte  4:36 min.  
Expertenthema 3 (Arbeitsblatt 6, leicht) Ein launischer Seegrund Warum weiss man heute, dass das Seeufer nicht zu allen Zeiten besiedelt war? Film 1: «Einzigartige Geschichtsquellen» 3:20 min 
Expertenthema 4 (Arbeitsblatt 7, schwierig) Ein bedrohtes Kulturerbe Warum werden bei der Fundstelle immer noch archäologische Untersuchungen durchgeführt? Film 3: «Schutz und Vermittlung eines unsichtbaren Kulturerbes» Informationsstelle: Eine Fundstelle des Unesco-Welterbes «Pfahlbauten»  Die Dörfer von Sutz-Rütte  3:10 min.  

Fragen und Vermutungen

Wie untersuchen die Forschenden die Fundstelle heute? Welche Techniken und Methoden kommen dabei zum Einsatz? Wie bestimmen sie ihr Alter? 

Was verraten Erkenntnisse der Forschenden über das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge, Schmuck…)? 

Warum weiss man heute, dass das Seeufer nicht zu allen Zeiten besiedelt war? 

Warum werden bei der Fundstelle immer noch archäologische Untersuchungen durchgeführt?  

Aufträge und Lernaktivitäten

  1. Wählt ein Expertenthema auf den Arbeitsblättern 4–7 aus. 
  2. Sucht in den Vitrinen nach dem Thema. 
  3. Betrachtet den Gegenstand und das Bild in der Vitrine. 
  4. Schaut euch den auf dem Arbeitsblatt angegebenen Film an. 
  5. Studiert nun noch den Text in der Vitrine. 
  6. Notiert und zeichnet Wichtiges zu eurem Expertenthema auf das Arbeitsblatt, so dass ihr nachher im Klassengespräch Auskunft zu eurer Frage geben könnt. 
  7. Macht ab, wer von eurer Gruppe im Klassengespräch Auskunft gibt. 

Wie untersuchen die Forschenden die Fundstelle heute? Welche Techniken und Methoden kommen dabei zum Einsatz? Wie bestimmen sie ihr Alter? 

Was verraten Erkenntnisse der Forschenden über das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge, Schmuck…)? 

Warum weiss man heute, dass das Seeufer nicht zu allen Zeiten besiedelt war? 

Warum werden bei der Fundstelle immer noch archäologische Untersuchungen durchgeführt? 

Fragen und Zusammenfassung für die Lehrperson 

Expertenthema 1: Wie untersuchen die Forschenden die Fundstelle heute? Welche Techniken und Methoden kommen dabei zum Einsatz? Wie bestimmen sie das Alter der Fundstelle? 

Die Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte liegt heute nach wie vor teilweise unter Wasser. Eine Ausgrabung unter Wasser erfolgt unter anderem mit einer modernen Tauchausrüstung. Die Arbeitsweise ist technisch anspruchsvoll und stellt hohe Sicherheitsanforderungen an die Tauchausrüstung. 

Bei einer Tauchgrabung erzeugen sogenannte Strahlrohre eine künstliche Strömung und ermöglichen gute Sichtverhältnisse. Die Funde werden nach Quadratmetern getrennt geborgen und dokumentiert. Eine Tauchgrabung wird dann durchgeführt, wenn die Fundstelle stark gefährdet ist. Mit regelmässigen Kontrollen (Monitoring) erkennen die Unterwasserarchäologen bedrohliche Veränderungen der Fundstelle. Die Untersuchungen werden von der Tauchbasis beim Strandpark des von Rütte-Guts aus koordiniert. 

Proben von Pfählen können im Dendrochronologielabor direkt vor Ort im von Rütte-Gut analysiert und ausgewertet werden. Dabei kann das Fälljahr der Hölzer zeitlich exakt bestimmt werden. Dies geschieht anhand des jährlichen Zuwachses eines Baumes (Jahrring). Das Wetter (Niederschlag und Temperatur) beeinflusst alle Bäume einer Region in ähnlichem Masse. So gleichen sich deren Jahrringabfolgen. 

Einflussfaktoren auf das Wachstum der Bäume. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Matthias Bolliger und Eliane Schranz. 

Nach der Messung der Jahrringbreiten einer einzelnen Probe unter dem Mikroskop, lässt sich das Wachstumsmuster mit bestehenden Referenzkurven (Referenzchronologien) vergleichen und bei einem deckungsgleichen Muster zeitlich einordnen (datieren). 

Eine Referenzkurve (Referenzchronologie) besteht aus zahlreichen Hölzern aus verschiedenen Zeiten. Durch Überlappung mit immer älteren Hölzern wurde eine lückenlose Abfolge von Jahrringbreiten erstellt, die im Falle der Eiche in Mitteleuropa 10 000 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Matthias Bolliger und Eliane Schranz 

In Sutz-Lattrigen, Rütte haben sich dank der guten Erhaltungsbedingungen unter Wasser und im feuchten Boden Tausende von Pfählen erhalten. Hausgrundrisse sind aber in den dichten Pfahlfeldern fast nicht zu erkennen. Erst mit der jahrgenauen zeitlichen Einordnung (Datierung) der Pfähle lassen sich zeitgleich geschlagene Hölzer zu zusammenhängenden Strukturen verbinden. So können Häuser mitsamt späteren Reparaturen, der Ausbau von Dörfern oder Abfolgen von Siedlungen rekonstruiert werden. 

Pfahlplan Sutz-Lattrigen, Rütte. Anhand der jahrgenau datierten Pfähle lassen sich drei nacheinander bestehende Dörfer – hier Dörfer B und C – rekonstruieren. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Andreas Zwahlen. 

Expertenthema 2: Was verraten die Erkenntnisse der Forschenden über das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge, Schmuck,…)? 

Dank guter Erhaltungsbedingungen unter Wasser und im feuchten Boden, haben sich in Sutz-Rütte die Bauhölzer (hauptsächlich Pfähle der Wände aber auch liegende Hölzer, etwa der Dachkonstruktion) der Häuser erhalten. Aus gleichzeitig gefällten Pfählen (vgl. Expertenfrage 1, Dendrochronologie) können Häusergrundrisse nachgezeichnet werden. Aus diesen Informationen lässt sich rekonstruieren, wie ein Dorf gewachsen ist und wie es ausgesehen haben könnte. In Sutz-Lattrigen, Rütte konnten mehrere nacheinander gebaute Dörfer nachgewiesen werden. Sie stammen aus der Jungsteinzeit zwischen 2760 und 2650 v. Chr. und bestanden aus eng nebeneinander aufgereihten Häusern. 

Aus den Dörfern von Sutz-Lattrigen, Rütte stammen zahlreiche gut erhaltene Funde: Besonders häufig sind Keramikscherben. Da nur selten vollständige Gefässe gefunden werden, müssen sie in der Regel aufwändig restauriert werden. Es handelt sich oft um Koch- und Vorratstöpfe, seltener Becher, Schalen, Schüsseln und Flaschen. Neben Keramikgeschirr wurden auch Gefässe aus Holz geborgen (Foto Holztasse Informationsstele). Steinmühlen geben uns Auskunft über die Verarbeitung von Getreide zu Brot. Gemahlen wurde von Hand mithilfe eines Reibsteines (Objekt Vitrine). 

Eine Holzkohleschicht, verkohlte Getreidevorräte, sechzig verbrannte Webgewichte von zwei Webstühlen für die Herstellung von Stoffen und ein verkohltes Fischernetz sind die Zeugen einer Brandkatastrophe (vgl. Fotos Informationsstele). Seltenheitswert hat der Fund eines Schuhs aus Bast (Foto Informationsstele). Bast und Leinen können nur im nassen Milieu unter Abschluss von Sauerstoff mehrere tausend Jahre überleben. Sie zählen deshalb zu den Highlights der Unterwasserarchäologie. 

Die wiederholt gefundenen Klingen aus geschliffenem Stein stammen von einem typischen Werkzeug der Jungsteinzeit, dem Steinbeil. Beile und Dechsel dienten vor allem zum Fällen und Bearbeiten der Bauhölzer. Äxte mit durchbohrten Steinklingen hingegen waren wohl eher Statussymbole als funktionstüchtige Werkzeuge oder Waffen. 

Andere Geräte des bäuerlichen Alltags sind aus einem anderen Gestein hergestellt: Silex (Feuerstein), der teils von weit her stammt (Foto Dolch Informationsstele). Auch Waffen wie Pfeilspitzen, welche bei der Jagd Verwendung fanden, sind aus Silex gefertigt. 

Bei den vielen Geweih- und Tierknochenfunden handelt es sich nicht nur um Speisereste. Die in Herden gehaltenen Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen lieferten den Dorfbewohnern Fleisch und die Knochen, Geweihe, Felle und Sehnen dienten zugleich als Rohmaterialien für allerlei Gerätschaften und Schmuck (Harpunen, Pfeilbogensehnen, Gewandnadeln und Knöpfe). 

Die Menschen der jungsteinzeitlichen Dörfer von Sutz-Lattrigen, Rütte waren in erster Linie Bäuerinnen und Bauern. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Anbau von Getreide und der Haltung von Tieren. Jagen, Sammeln und vor allem Fischen waren notwendige Ergänzungen für ihre Ernährung. 

Expertenthema 3: Warum weiss man heute, dass das Seeufer nicht zu allen Zeiten besiedelt war? 

Dank der Dendrochronologie (siehe Expertenfrage 1) kann das Alter und die Benutzungsdauer (Siedlungsdauer) eines Dorfes bestimmt werden. So weiss man, dass die Seeufer nicht zu allen Zeiten besiedelt waren. Immer wieder gab es Unterbrüche. Ein Grund dafür sind höhere Seespiegel. Bei hohen Wasserständen bevorzugte die prähistorische Bevölkerung weiter landwärts gelegene Standorte. Davon zeugt etwa eine 2017 ausgegrabene bronzezeitliche Siedlung, welche beim Bau des heutigen Pflegehotels im Dorfkern von Lattrigen (Nachbardorf von Sutz) entdeckt worden ist. 

Lattrigen, Hauptstrasse 57, 59, 59a. Die Grabungsfläche nach Abschluss der Sondierungskampagne im Frühling 2017. Blick nach Westen. 1–3 Gelbe Flächen: Fundzonen. 4 Gelber Punkt: Grube mit Schalenstein und Geröllen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Carlos Pinto (grafische Überarbeitung Eliane Schranz) 

Auch die Kirche und das Dorf Sutz könnten auf das Ausweichen auf einen vom See geschützten Standort hindeuten. Die ältesten Reste der Kirche gehen auf das Frühmittelalter zurück. Sie liegt 16 Meter höher als der heutige Strand und ist vom See rund 300 Meter entfernt (vor den Juragewässerkorrektionen: rund 12–13 Meter höher als der Strand und in 210–280 Meter Entfernung). Die erwähnte bronzezeitliche Fundstelle beim Pflegehotel bei Lattrigen liegt noch höher und weiter entfernt vom See. 

Warum werden bei der Fundstelle immer noch archäologische Untersuchungen durchgeführt?  

Heute sind die Reste der Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte meist unsichtbar, da sie unter Wasser oder im Boden liegen. Dennoch sind sie von Erosion am Seegrund oder Austrocknung der Böden bedroht. In der Flachwasserzone werden die über den Dorfruinen liegenden Schichten aus Steinen, Kies und Sand verschwemmt und abgetragen. Wenn sie fehlen, werden innerhalb kurzer Zeit die organischen Funde aus Holz, Rinde oder Pflanzenfasern zerstört. Beständigere Objekte wie Keramik überdauern diesen Prozess einige Zeit, aber auch sie nehmen Schaden. 

Sutz-Lattrigen, Rütte. Luftbild von 1947 mit rot eingezeichneter Uferlinie. ©  
Eidgenössisches Militärdepartement (Luftbild 1947) und Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marianne Ramstein (Georeferenzierung und Eintrag Uferlinie) 
Sutz-Lattrigen, Rütte. Luftbild von 2014. Die Uferlinie von 1947 ist rot eingezeichnet. Der Uferrückgang an der Landspitze betrug rund einen halben Meter pro Jahr. © M. Bassi, Giudicetti e Baumann SA, Roveredo (Orthofoto) und Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marianne Ramstein (Georeferenzierung und Eintrag Uferlinie) 

Es gibt zwei Hauptursachen für die Gefährdung und Zerstörung der Fundstelle: 

1. Die Bedrohung durch menschliche Aktivitäten: intensiver Motorbootverkehr (stärkerer Wellengang), das Ankern von Schiffen und moderne Bauten im Uferbereich (Uferverbauungen). Die Eingriffe der Juragewässerkorrektionen führten durch die Senkung des Wasserspiegels zur Austrocknung eines grossen Bereichs der Fundstelle.  

2. Die Zerstörung durch natürliche Vorgänge: natürliche Senkung des Wasserspiegels (Beschleunigung des Abbaus von organischen Resten), Witterungsbedingungen (Umstürzen von Bäumen oder Wegspülen von Erdreich bei Stürmen), Beeinträchtigung der Stabilität der Seeufer durch Tiere, wie Schwäne, die in den jungsteinzeitlichen Dörfern nach Nahrung graben, oder Krebse, die darin Höhlen bauen. 

Sutz-Lattrigen, Rütte. Bei starkem Westwind unterspülen die Wellen das Ufer. Aufnahme 6. Februar 2013. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Tauchequipe 

Es braucht daher eine regelmässige Kontrolle (Monitoring) der Dorfruinen. Die Anlagen sind äusserst fragil und können nur in Ausnahmefällen ausgegraben werden. Eine Freilegung wäre mit sehr hohen Kosten verbunden und würde die Erhaltung der jungsteinzeitlichen Dörfer für die künftige Erforschung mit möglicherweise noch besseren Untersuchungsmethoden verunmöglichen. 

Daher muss die Fundstelle in erster Linie geschützt werden. Zu den Schutzmassnahmen gehört zum Beispiel das Abdecken der noch vorhandenen Dorfruinen mit Spezialmatten und Kies. Eine weitere Möglichkeit ist die Errichtung von Wellenbrechern (grossen Steinbrocken), um die Erosion zu verringern. 

Der Wellenbrecher schützt das Ufer vor der Erosion. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marianne Ramstein 
Die helle Aufschüttung mit Kies vor dem Wellenbrecher ist nach Abschluss der Arbeiten im See gut zu erkennen. Aufnahme 13. November 2020. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Carlos Pinto 

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Dorfruinen ohne künstliche Schutzmassnahmen die nächsten Jahrzehnte nicht unbeschadet überstehen werden. Darum hat die Unesco 2011 auf Antrag der Schweiz 111 dieser Siedlungsplätze aus sechs Ländern (Schweiz, Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und Frankreich) in die Liste des Welterbes aufgenommen. In der Drei-Seen-Region, am Neuenburger-, Bieler- und Murtensee, konzentrieren sich besonders viele dieser Fundstellen, auch die Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte gehört dazu. 

Bearbeitung Aufträge und Lernaktivitäten  Dauer: 20 min  Strandpark von Rütte Gut oder im Klassenzimmer  Weg von Rütte Gut– Bahnhof Sutz:  Dauer: 15 min Material: • Bearbeitete Unterlagen Handlungsaspekte 1–3 
Die Schülerinnen und Schüler versuchen einen Aspekt zu bewerten. Unter «Vertiefung» und «Weiterführung» finden sich ausgewählte Angebote zur archäologischen Vermittlung und zu Museen, zu Filmen und zu Websites sowie zu Literatur und zu Lehrmitteln. 

Fragen und Vermutungen

Was ist sinnvoller für Fundstellen im und am See: die Erosion wirken zu lassen, die Fundstelle ganz auszugraben oder sie zu schützen? 

Was weiss man sonst über die Jungsteinzeit?  

  • Wo gibt es bedeutende Fundstellen der Jungsteinzeit? 
  • Worauf stossen die Forscherinnen und Forscher bei archäologischen Ausgrabungen jungsteinzeitlicher Fundorte und was finden sie? 
  • Was verraten die Fundsituationen und die ausgegrabenen Funde über das Leben der Menschen und die Gesellschaft in der Jungsteinzeit (Wohnen, Nahrung, Hausrat, Kleidung, Werkzeuge und Waffen, Schmuck…)? 
  • Welchen Beitrag dazu leistet die Erforschung der Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte? 

Wie funktionierte archäologische Forschung vor 170 Jahren (Anfänge der Pfahlbauforschung) und wie funktioniert sie heute? 

Aufträge und Lernaktivitäten

  1. Sucht auf dem Zeitstrahl möglichst genau die Epoche, welche zu diesem archäologischen Fundort passt. 
  2. Wählt eine der Fragen aus, die ihr in der Schule vertiefen wollt. Sammelt dazu nochmals Informationen und notiert eure Gedanken. 

Vertiefung vor Ort

  • Wahrnehmen der Fundstelle und ihrer Umgebung durch Picknick im Strandpark und Baden im See. 
  • Besichtigung des bronzezeitlichen Schalensteins, welcher von der Fundstelle an der Hauptstrasse in Lattrigen in den Park des von Rütte-Guts versetzt wurde (Standort vgl. Übersichtsplan von Rütte-Gut). 
  • Führungsangebot «Die archäologische Tauchbasis und die jungsteinzeitliche Unesco-Fundstelle in Sutz-Lattrigen» (vgl. Weiterführung Museen und archäologische Vermittlung) 

Vertiefung im Schulzimmer 

  • Die Schülerinnen und Schüler reflektieren ihre Erlebnisse und Erkenntnisse und überarbeiten ihre Arbeitsblätter und Notizen. 
  • Ausgehend von den ausgefüllten Arbeitsblättern und den Notizen bearbeiten die Schülerinnen und Schüler, die beim Handlungsaspekt 4 «archäologische Spuren bewerten» von ihnen gewählte Frage. Sie verarbeiten und ergänzen dabei ihre Vermutungen, Überlegungen und Resultate zu den Aufträgen und Lernaktivitäten (Beobachtungsnotizen, Zeichnungen, Pläne, Fotos, Erlebnisse und Schlüsse) der Exkursion. Als Präsentationsformen eignen sich Memoflip, Minibook, Poster, Exkursionsbericht (weitere Ideen vgl. https://www.iqesonline.net
  • Vertiefung in die Rekonstruktion von Vergangenheit (NMG 9.3) und archäologischen Quellen (zum Beispiel mit dem Archäologiekoffer und/oder einem Museumsbesuch: vgl. Weiterführung). 
  • Auseinandersetzung mit dem Zeitbegriff, der Zeit als Konzept und der Nutzung des Zeitstrahls (NMG.9.1), mit der Rekonstruktion von Vergangenheit (NMG 9.3) und mit Dauer und Wandel (NMG 9.2) mittels dem didaktisch aufgearbeiteten Lernarrangements wie «Zeitreise – Von Wandel und Dauer erzählen» von Katharina Kalcsics (2019) und Ideenset Pfahlbau (vgl. Weiterführung) 

In der näheren Umgebung 

  • Das Leben am See selbst erleben und auf dem Campingplatz Sutz übernachten (https://www.hotel-camping-sutz.ch). 
  • Velotour zu weiteren (jungsteinzeitlichen) Fundstellen am südlichen Ufer des Bielersees. Die Fundstellen Biel-Vingelz, Lüscherz und Vinelz sind mit Informationsstelen des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern ausgestattet. 
  • Besuch des Pfahlbaumuseum Lüscherz (vgl. Weiterführung Archäologische Vermittlung und Museen) 

Archäologische Vermittlung und Museen: 

  • Aussenstelle des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern: Das von Rütte-Gut in Sutz am Bielersee beherbergt mit der Tauchbasis und dem Dendrolabor eine Aussenstelle des Archäologischen Dienstes. Gleichzeitig ist es Standort der jungsteinzeitlichen «Pfahlbau»-Fundstelle Sutz-Lattrigen, Rütte, die seit 2011 Unesco-Welterbe ist. Dieser Archäologie-Hotspot kann von Schulklassen ab dem Zyklus 2 im Rahmen einer 90-minütigen Führung besucht werden. Diese wird vom Partner ur.kultour durchgeführt. https://www.kultur.bkd.be.ch/de/start/dienstleistungen/dienstleistungen-archaeologie/fuehrungen.html
  • Das Pfahlbaumuseum Lüscherz zeigt die eindrückliche Sammlung von Hans Iseli aus Lüscherz. Er hat in 60 Jahren mehr als 10 000 Funde aus Stein, Silex, Knochen, Geweih und Ton zusammengetragen, die das Leben der Pfahlbauer rund um den Bielersee dokumentieren. https://www.pfahlbaumuseum-lüscherz.ch
  • Das Schlossmuseum Nidau vermittelt mit einer Ausstellung wie es zu den Juragewässerkorrektionen kam und wie sie in mehreren Etappen umgesetzt wurden. Zusätzlich werden Unterrichtsmaterialien und Führungen angeboten.  https://www.schlossmuseumnidau.ch/de
  • Das Neue Museum Biel (NMB) besitzt Funde aus den Pfahlbauten am Bielersee und präsentiert diese immer wieder in Sonderausstellungen. Themen-Workshops und pädagogische Führungen für Schulklassen oder Gruppen auf Anfrage.  https://www.nmbiel.ch
  • Im Bernischen Historischen Museum (BHM) befinden sich in der reichhaltigen Dauerausstellung viele jungsteinzeitliche Funde aus dem Kanton Bern.  https://www.bhm.ch/de/besuch/schulen
  • Das Village lacustre de Gletterens am Neuenburgersee bietet Einblicke in rekonstruierte Pfahlbauhäuser und bietet Workshops für Schulklassen zur Jungsteinzeit an.  https://www.village-lacustre.ch

Filme: 

Websites: 

Literatur und Lehrmittel: 

Mitnehmen

  • Bleistift, Radiergummi, Farbstifte, Klemmbrett als Unterlage 
  • Fotoapparat oder Smartphone 
  • eventuell Feldstecher 
  • eventuell Klappmeter 
  • eventuell Kompass 
  • dem Wetter angepasste Kleidung 
  • Bild- und Kartenmaterial: ausgedruckt und eventuell laminiert (Download
  • Arbeitsblätter für Schülerinnen und Schüler (Download
  • Lösungen zu den Arbeitsblättern (Download
  • Für Gruppenarbeit 1 (3. archäologische Spuren deuten): Klappmeter 
  • Für Gruppenarbeit 2 (3. archäologische Spuren deuten): Feldstecher 
  • Zeitstrahl (Download
  • allgemeines Exkursionsmaterial (Fahrplan, Bahnbillett, Notfallblätter, Notfallkit…) 

Bilder

Download

    Anreise

    Anfahrt mit Bahn

    Anreise mit dem Zug (Linie Biel – Täuffelen – Ins) ab Bahnhof Biel oder ab Bahnhof Ins bis Haltestelle Sutz (Halt auf Verlangen). Der Fussweg ab dem Bahnhof Sutz bis zum von Rütte-Gut ist signalisiert. Für eine Anreise per Velo findet sich am Rand des Parkes ein Veloabstellplatz. 


    CC-BY-SA
    Konzept: ADB und PHBern
    Didaktische Überlegungen: Anna Barbara Widmer, ADB, und Martin Furer und Pascal Piller, PHBern
    Texte: Anna Barbara Widmer, ADB
    Wissenschaftliche Inhalte, Korrektorat: Anna Barbara Widmer und Andrea Lanzicher, ADB, und Brigitte Andres, ADB
    Titelbild: Anna Barbara Widmer